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Angekommen...?!

Autor: LauraMonpetain | Datum: 30 November 2017, 11:21 | 2 Kommentare

Hallöchen, 

da melde ich mich auch schon wieder!

 

Vielleicht fragt Ihr Euch, wie es zu meinem Titel kommt? Ist ja eigentlich klar: In Ruanda angekommen, bin ich abends am 26. August. Aber ich habe herausgefunden, sich an einem Ort zu befinden, ist eine ganz andere Sache, als wirklich "angekommen" zu sein. (Nachdem es uns bei den Seminaren auch von Ehemaligen- Freiwilligen" erzählt wurde.)

Von Anfang an habe ich mich ziemlich wohl gefühlt in Remera Rukoma. Nach dem ersten Schock auch in meinem Haus. (Wahrscheinlich übertreibe ich mit "Schock" auch etwas und wenn, war er auch nur für ein paar Stunden.) Allerdings war natürlich alles neu für mich. Es ging mir wirklich gut, aber trotzdem merkte ich mit der Zeit, dass ich das Bedürfnis bekam, etwas zu tun, was nicht wieder aufregend oder neu ist und mich die gefühlte "ganze Welt" dabei beachtet. Es entstand zwar langsam ein Alltag, jedoch war jeder Tag, auf seine eigene Art und Weise, anders. Jetzt kann ich sagen, nachdem ich ein paar ältere Tagebuch-Einträge gelesen habe, dass das auch gut so ist. Hinter jedem Tag verbirgt sich eine kleine Erinnerung. (Ja überraschender Weise schaffe ich es hier Tagebuch zu schreiben bzw so etwas ähnliches.) Ich habe mir aber unbewusst gewünscht, an etwas mehr Normalität zu gelangen. Jeder Einkauf, abgesehen von Brot, Eiern und Milch, war immer noch nichts alltägliches und meist war auch eine andere Person dabei. 

Den gesamten November über, gab es immer mehr Momente, in denen ich danach merkte, dass ich etwas geschafft habe. Es begann damit, dass ich in einem Laden, in dem ich noch nicht oft war, alleine Öl und Toilettenpapier einkaufte und woanders Margarine. Das hört sich wahrscheinlich bescheuert an und isses vielleicht auch, weil es nun wirklich nicht die Welt ist. Aber schon auf dem Weg nach Hause, habe ich mich innerlich sehr gefreut und spürte sogar so etwas wie Stolz aufkommen. Es folgten mehrere Einkäufe und mein erster alleiniger Marktbesuch. (Vor dem hatte ich einen großen Respekt, weil meine Mentorin vorher immer sagte, dass dieser für mich zu schwierig wäre, u.a. auf Grund der Sprachbarrieren. Da der Markt nur einmal in der Woche stattfindet, war es zuvor immer kein allzu großer Aufwand gewesen, mich zu begleiten.) Letztenendes dauerte es keine zehn Minuten, bevor ich im Besitz war, von allem was ich brauchte. Überall wurde mir der selbe Preis gesagt, wie er auch in den vorherigen Wochen war. Die Marktverkäuferinnen waren allesamt sehr nett und freuten sich, dass ich es auf Kinyarwanda versuchte.

Der entscheidenste Augenblick aber, spielte sich auf der Rückfahrt von Chantal, in Rubengera, zu mir nach Hause ab. Gleich nachdem ich in den Bus stieg, sprach mich ein aus Ruanda stammender Amerikaner an. Mit ihm unterhielt ich mich dann auch während der nächsten 1,5 Stunden. Er erzählte mir, wie lange er schon in den USA lebt und von seinem Leben dort. (Es war sein erster Besuch in Ruanda, seit langer Zeit. Wenn ich mich richtig erinnere, dauerte dieser drei oder vier Wochen. Ist aber auch nicht so wichtig...) Jedenfalls kam er irgendwann darauf zu sprechen, was er gerade alles vermisst. Zum Beispiel Pizza oder den "Highway", auf dem die Autos und Busse schneller fahren dürfen, als hier. Außerdem stellte er mir kleine Fragen, wie z.B. ob mein Platz nicht ungemütlich sei oder sprach mit mir über die schöne vorüber ziehende Landschaft. (Er hat also auch viele Dinge aufgezählt, die er an Ruanda liebt.) In diesen Momenten ist mir aufgefallen, wie "normal" doch so vieles für mich geworden war. Klar vermisse ich Pizza, aber es reicht mir, wenn ich sie an besonderen Tagen in Kigali esse. (Außerdem haben Chantal und ich herausgefunden, wie man Pizza in der Pfanne machen kann. Jetzt kann ich bei mir Zuhause Pizza machen, auch wenn sie dann ohne Käse ist. Schmeckt aber trotzdem!) Und ja, vielleicht ist dieser ausklappbare Sitz nicht das bequemste. Aber ich saß so oft schon eingequetscht zwischen Leuten, dass ich das "vielleicht unbequeme" gar nicht bemerkte. Der Bus fährt für mich auch nicht langsam, sondern hat ein angemessenes Tempo. Und die Landschaft ist natürlich unbeschreiblich, dass ich es oft nicht realisieren kann, wie schön sie ist. Jedoch selbst dieser Moment, des "Realisierens", ist nicht neu für mich.

Ich will damit gar nicht sagen, dass ich genau jetzt "richtig angekommen" bin, dass ist wahrscheinlich ein langer Prozess. Ich kann aber sagen, dass ich mich gerade sehr "angekommen" fühle! (Totzdem passiert natürlich noch viel neues. Dies kann ich jetzt aber wieder mehr genießen, denke ich.) Über dieses Gefühl, bin ich wirklich sehr glücklich und dankbar, es haben zu dürfen!!!

Das ist jetzt kein aufregendes Highlight, wie eine Hochzeit, über das ich heute geschrieben habe. Es sind für mich aber sehr bedeutende Momente, die ich gerne mit Euch teilen wollte! Ich hoffe es ist einigermaßen rübergekommen, da es schwierig ist, solche Gefühle in Worte zu verpacken! 

Jetzt freue ich mich gleich, wenn der Regen endlich eine Pause einlegt, nach Shyogwe-Cyakabiri zu fahren, um Felis Geburtstag zu feiern.

 

Vielen lieben Dank für Euer Interesse! Bei Fragen, immer gerne fragen!

Bis bald

Eure

Laura

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Kommentare

  1. 1. Franzi  |  09 Dezember 2017, 10:23

    Liebe Laura,

    das was du schreibst kommt mir hier sehr bekannt vor...du hast schöne Worte dafür gefunden! Weiter viel Erfolg beim Einleben, Neues entdecken und Welt in dich aufsaugen!

    Liebe Grüße Franzi

  2. 2. Laura  |  11 Dezember 2017, 09:01

    Danke liebe Franzi!

    Das selbe wünsche ich Dir auch!

    Liebe Grüße zurück nach Ghana
    Laura

 

 

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